Whiteboard oder Display: zwei Bauarten, ähnliche Prüfpflicht
Die DGUV Information 202-021 unterscheidet zwei Grundtypen interaktiver Tafelsysteme.
- Interaktive Whiteboards: ein Tafelflächen-Board wird durch einen Beamer ergänzt. Das Koordinatensystem der Oberfläche wird per Messtechnik mit dem projizierten Bild verknüpft. Die Lösung ist sowohl als fest an der Wand montiertes System als auch als mobiles Gerät mit Rollen erhältlich.
- Interaktive Displays: ein Bildschirm mit Touch-Funktion kombiniert Beamer, Board und Anzeige in einem Gehäuse. Das Gerät ist kompakt, erzeugt keinen Lüfterlärm und wird häufig als moderne Alternative eingesetzt.
Beide Bauarten haben ein beträchtliches Eigengewicht und benötigen eine sichere Befestigung an der Wand oder an einer tragenden Konstruktion. Die Prüfpflicht ist für beide Systeme gleich: Die mechanische Tragfähigkeit muss gewährleistet sein, und die elektrische Installation muss den Vorgaben der DGUV Vorschrift 3 entsprechen.
Einige Whiteboard-Modelle besitzen zusätzlich klassische Tafelflügel. Wenn ein mobiles Whiteboard mit solchen Flügeln verwendet wird, kann die Standsicherheit beeinträchtigt sein. In solchen Fällen ist eine zusätzliche Sicherung erforderlich, bevor das Gerät im Unterricht eingesetzt wird.
Was mechanisch geprüft wird
Mechanische Prüfungen decken alle Bauteile ab, die das Gewicht tragen oder Bewegungen ermöglichen. Die wichtigsten Punkte sind:
- Wandbefestigung: Schrauben, Dübel und Halterungen werden auf Festigkeit und korrekten Sitz geprüft. Bei Leichtbauwänden ist besonders auf die Tragfähigkeit des Untergrunds zu achten.
- Beamerarm und ‑gehäuse: Der Arm, der den Beamer hält, wird auf Rissbildung, Lockerheit und stabile Verbindungen untersucht. Das Gehäuse selbst wird auf Beschädigungen kontrolliert, die die Sicherheit beeinträchtigen könnten.
- Lagerung und Rollen: Mobile Whiteboards besitzen Rollen oder Laufketten. Diese werden auf Verschleiß, Spiel und sichere Fixierung geprüft.
- Scharniere von Tafelflügeln: Wenn das Board mit einem klassischen Flügel ausgestattet ist, werden die Scharniere auf Korrosion, Rissbildung und ausreichende Tragfähigkeit untersucht.
- Konstruktion des Displays: Bei interaktiven Displays wird das Gehäuse auf Risse, lose Bauteile und stabile Befestigung an der Wand oder am Gestell geprüft.
Die mechanische Prüfung erfolgt durch eine befähigte Person nach Betriebssicherheitsverordnung. Der Prüfer dokumentiert das Ergebnis, erkennt mögliche Schwachstellen und gibt Empfehlungen für Nachbesserungen. Wie oft geprüft wird, richtet sich wie bei klassischen Tafeln nach der Gefährdungsbeurteilung des Schulträgers, als Richtwert nennt die DGUV Information eine Hauptuntersuchung etwa jährlich und einfache Sicht- und Funktionskontrollen durch geschultes Personal etwa vierteljährlich, jeweils angepasst an Nutzung und Zustand.
Was elektrisch geprüft wird und wie oft
Interaktive Tafeln besitzen ein umfangreiches elektrisches System: Stromversorgung, Datenkabel, Sensoren und die interne Elektronik des Displays. Die elektrische Prüfung umfasst folgende Punkte:
- Kabel und Steckverbindungen: Sichtkontrolle auf Beschädigungen, Abschürfungen, lose Stecker und korrekte Kennzeichnung.
- Schutzmaßnahmen: Funktionsfähigkeit von Schutzschaltern, Fehlerstromschutzschaltern (FI-Schalter) und Erdung wird getestet.
- Stromversorgungseinheit: Transformatoren, Netzteile und interne Sicherungen werden auf Überhitzung, Rissbildung und ordnungsgemäßen Anschluss geprüft.
- Funktionsstörungen: Das Touch-System, die Sensorik und die Bildprojektion werden auf Fehlfunktionen untersucht.
Die elektrische Prüfung muss von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden, weil sie die Vorgaben der DGUV Vorschrift 3 erfüllt. Die Praxis hat folgende Prüfintervalle etabliert:
- Ortsfeste Anlagen: Für fest an der Wand montierte Displays und Whiteboards wird ein Prüfintervall von vier Jahren empfohlen.
- Ortsveränderliche Anlagen: Mobile Whiteboards, die regelmäßig umgestellt werden, sollten jährlich geprüft werden.
Diese Intervalle sind Richtwerte aus der DGUV Information 202-021. Der konkrete Prüfplan wird vom Schulträger nach einer Gefährdungsbeurteilung festgelegt.
Ein zusätzlicher Aspekt ist die Dokumentation. Bei jeder Elektroprüfung wird ein Prüfprotokoll erstellt, das den Zustand der Kabel, die Ergebnisse der Schutzmaßnahmetests und eventuelle Mängel enthält. Dieses Protokoll ist Teil der betrieblichen Unterlagen und dient als Nachweis für die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen.
Warum sich ein gemeinsamer Prüftermin lohnt
Mechanische und elektrische Prüfungen betreffen dieselben Geräte, jedoch unterschiedliche Fachbereiche. Ein getrenntes Vorgehen bedeutet zwei Anfahrten, zwei Terminabsprachen und zwei Dokumentationspakete. Ein gemeinsamer Prüftermin bietet mehrere Vorteile:
- Zeitersparnis: Der Termin wird von einer befähigten Person koordiniert, die sowohl mechanische als auch elektrische Prüfungen durchführen kann oder eng mit einer Elektrofachkraft zusammenarbeitet. Damit reduziert sich der Aufwand für die Schulleitung und das Hausmeisterteam.
- Kosteneffizienz: Anfahrtszeit und Materialeinsatz werden nur einmal berechnet. Der Gesamtpreis für den Prüfauftrag ist in der Regel niedriger als die Summe zweier Einzelprüfungen.
- Ganzheitliche Dokumentation: Das Ergebnis beider Prüfungen wird in einem einzigen Protokoll festgehalten. Damit ist die Nachverfolgung von Mängeln einfacher und die Unterlagen für Audits übersichtlich.
- Frühzeitige Mängelerkennung: Während der mechanischen Sichtprüfung können Kabelverlegungen entdeckt werden, die später zu elektrischen Problemen führen. Umgekehrt kann ein defektes Kabel die Stabilität einer Wandbefestigung beeinträchtigen. Der kombinierte Check verhindert solche Überschneidungen.
Um einen gemeinsamen Termin zu planen, sollte die Schule die folgenden Schritte beachten:
Bestandsaufnahme
Alle interaktiven Tafelsysteme mit Standort und Bauart erfassen.
Gefährdungsbeurteilung
Festlegen, welche Geräte ortsfest und welche ortsveränderlich sind.
Kontakt zum Fachbetrieb
Ein Angebot für einen kombinierten Prüfauftrag anfordern.
Terminabstimmung
Den Termin mit dem Hausmeisterteam abstimmen, damit der Zugang zu den Räumen gesichert ist.
Durchführung
Der Prüfer führt beide Prüfungen nacheinander durch, erstellt ein einheitliches Protokoll und gibt Hinweise zu Nachbesserungen.
Durch die strukturierte Vorgehensweise kann die Schule den Prüfungsaufwand minimieren und gleichzeitig die Sicherheit der Lernumgebung erhöhen. Interaktive Tafeln und Displays bleiben so funktionsfähig, und das Risiko von Sturzgefahren oder elektrischen Fehlfunktionen wird deutlich reduziert.
Fazit
Die regelmäßige Prüfung interaktiver Tafelsysteme ist ein zentraler Bestandteil des Arbeitsschutzes an Schulen. Mechanische Stabilität und elektrische Sicherheit gehen Hand in Hand. Mit einem kombinierten Prüftermin lässt sich Aufwand reduzieren, Kosten senken und die Dokumentation vereinfachen. Schulen, die diese Vorgehensweise nutzen, können sicherstellen, dass ihre digitalen Lernmedien zuverlässig und gefahrlos im Unterricht eingesetzt werden.